bewerb: rollerderby, österreichische meisterinnenschaften
steelcity rollers linz vs. dust city rollers graz
ort: hblw landwiedstrasse, linz
zeit: 25.11.2017, 16:00 uhr

auszug aus der auswärtsplaylist:
die antwoord – i fink u freeky
flavor savers – rollergirls
kraftklub – schüsse in die luft

preludium

rollerderby. hat man schon mal gehört. irgendwo. irgendwas mit rollschuhen. die erste assoziation die in den sinn kommt ist der (vor allem in zeiten wie diesen) absolut sehenswerte filmklassiker rollerball aus dem jahr neunzehnfünfundsiebzig, welcher auch sogleich vor jeder anderen recherche konsumiert wird. spätestens bei minute drei:fünfzehn (hier kommen die ersten einstellungen der motorräder auf den bildschirm) wird allerdings schon klar, dass das mit rollerderby ungefähr so viel zu tun hat wie die trockenheit in der wüste sahara mit dem wasservorkommen auf dem saturnmond enceladus. universal betrachtet natürlich schon ein wenig etwas, aber im endeffekt doch eher ganz peripher.

darauf dann gleich mal das vorfreudige fazit nach onlinestudium einiger fotos der österreichischen rollerderbyszene: wenn in einer vollkontaktsportart schiedsrichterinnen auf ihrem trikot namensaufschriften wie „extermikate“ und „scoretney love“ tragen, und die spielerinnen zum beispiel „reckless spice“, „bloody bambi“ oder „knockout nora“ heißen, dann sind wir hier absolut beim richtigen sport gelandet!

ein weiterer vorteil: die komplexität des grundregulativs stellt sich im vorfeld für die geneigte zuseherin als durchaus überschaubar dar. im endeffekt geht es darum, das eine der fünf spielerinnen eines teams (die „jammerin“) die vier blockerinnen des anderen teams überrundet und damit punkte sammelt – natürlich nicht ohne deren versuche, die jammerin mit allen erlaubten mitteln daran zu hindern. gespielt wird gesamt zwei mal dreißig minuten, ein sogenannter jam dauert maximal zwei minuten.

um ein kurzes eintauchen in die geschichte dieser alten und doch jungen sportart zu gewähren, hier ein paar historische eckdaten: der „sport“ wurde erstmals in den usa in den neunzehndreißigern praktiziert. historisch finden sich einige querverweise zum wrestling (btw: der traditionelle sportblog-besuch der ewa-wrestlingveranstaltung im floridsdorfer haus der begegnung entfällt in diesem jahr aufgrund der terminkollision mit dem rollerderby – man muss eben prioritäten setzen), also eben kein sport im sinne der erfinderin, sondern eher unterhaltung (die teilweise auch scripted gewesen sein soll). nach einem kurzen wiederaufflammen in den sechzigern und siebzigern wurde aus der „attraktion“ in den frühen zweitausendern ein unabhängiger, ernst zu nehmender, von den akteurinnen selbstverwalteter sport, der seinen weg aus den usa über england schließlich nach europa gefunden hat. durchaus noch mit dem wohlduftenden geruch der subkultur behaftet, zählt rollerderby heutzutage zwar zu den randsportarten, allerdings gibt es hier offensichtlich potenzial hin zu einer entspannten breite – warum? weil nicer shice.

terrifying tink, fair city rollers: „it gives you the confidence to try things and to push yourself a little bit harder. it changes peoples life, it’s amazing“

das derby

feuchtkalter spätnovembersamstagnachmittag. einer der angenehmsten zeitpunkte im jahr, sich in einer regulär am wochenende nicht genutzten schulturnhalle zu einer sportveranstaltung einzufinden. hblw landweedstrasse. rollerderby. die im rahmen der vorfeldrecherche erworbenen eindrücke diesen sport betreffend erweisen sich umgehend als zutreffend. denkbarst angenehmste atmosphäre schon vor spielbeginn. vom buffet wird nach dem ersten heranschaffen von trinkbarem ebenso nur positives berichtet. einzig, die lichtsituation für die freundinnen des fotografischen metiers kann man wohl als suboptimal bezeichnen (wobei bei dem redaktionell gefrönten flutlichtfetischismus für eine turnhallenbeleuchtung so und anders maximal nur ein mitleidiges kopfschütteln übrigbleibt). die zuseherinnengalerie erweist sich zum anpfiff als durchaus gut gefüllt.

es ist irgendwie schon spannend – von der stimmung her gesehen (um die dem spiel innewohnende spannung beurteilen zu können, fehlen in den ersten minuten noch die entsprechend spezifischen rezeptionskompetenzen). der allgemeine geräuschpegel in der halle ist relativ gering. es ist die evolutionäre errungenschaft der neugier, die den raum befüllt und beruhigt. was zum teufel passiert da auf dem parkett gerade? aber nach dem spielvorangehenden testjam und den ersten durchläufen in hälfte eins fügen sich die bilder zusammen. bilder aneinanderkrachender köper, bilder von blockerinnen denen schultern ins gesicht gerammt werden, bilder von jammerinnen, die nach punktgewinn in jamabruchsverlangender intention mit ihren händen herumwacheln, bilder von unterzahlen und überzahlen auf der bahn, welche die wissenslücken um die genauen spezifika des regulariums offenbaren. bilder einer ziemlich lässigen und harten sportart.

diagnosis mauler, kent roller girls: „i don’t think there is any stereotypical rollerderbygirl. i think anyone can do it and should do it.“

während die verköstigung des buffets mit ende von hälfte eins auch bereits erledigt ist, bleibt ein rollerderbyspezifisches zwischenphilosophikum der halbzeit vorbehalten. kann man das jetzt mit eislaufen vergleichen? oder mit inlineskaten? oder ist das jetzt eine mischung aus short track und rugby? und was hat es mit dem powerjam auf sich? und was schreiben die da die ganze zeit auf der tafel in der mitte auf? und wollen wir nachher noch ein stück kuchen?

das tempo ist nach wiederanpfiff höher geworden. die staubstädterinnen sind mit einer komfortablen führung aus der pause gestartet und werden diese – soviel sei schon mal vorweggenommen – auch bis zum abpfiff nicht mehr an die stahlstädterinnen hergeben. zu konsequent ihre blocks, zu ausgefuchst ihre jammerinnen. wirklich leiwand anzusehen. mittlerweile hat sich auch die anfängliche scheu auf der zuseherinnengalerie gelegt und es wird lautstark angefeuert. zum ende der zweiten spielhälfte wird dann schon über lauf(roll)wege und blockingverhalten gegscheitwaschld. willkommen in der welt rollerderbytaktik. angejunkt. gut so.
endergebnis: steelcity rollers 136 :203 dust city rollers.

dritte halbzeit

dieser sport hat alles, was das herz der gepflegten sportfreundin höher schlagen lässt: kampf, härte, leidenschaft. und darüber hinaus werden hier die dinge gelebt, die sowohl im heutigen sport, als auch aus gesamtgesellschaftlicher sicht wichtiger wären denn je: respekt, teamgeist, fairness, offenheit, toleranz, kreativität und vor allem freude. gewissermaßen noch ein leuchtturm im ozean einer in der kapitalistischen verwertungslogik verhafteten unzivilisation; oder um es etwas populistischer zu formulieren: einfach ehrlicher sport.

viv la france, central city rollergirls: „on the track i’m really myself, but if you see me at work five days a week, that’s where i’m different“

galerie:

nicest pic of the day:

hard hittin‘ girlz

post scriptum:
notiz an die redaktion:
solch angenehme nachmittage gehören eigentlich unbedingt wiederholt.

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